Zehenschuhe mit Zustimmung des Arztes?

„Am besten wäre es, barfuß zu laufen“ – Vision und Rezension zu einem Interview mit Bewegungsmediziner Rüdiger Reer auf Spiegel-online 

 Meine Vision: Jeder Mensch kann selbst seinen Körper so wahrnehmen, dass daraus Erfahrungen entstehen, mit denen er für seine Gesundheit, kompetent und in Selbstverantwortung, entscheiden kann – auch welche Schuhe er trägt, (ohne Zustimmung des Arztes). Und wenn ein Mensch unsicher ist, kann er sich von anderen Menschen leiten, beraten, begleiten, therapieren lassen. Ob der Mensch, den er um Rat oder Hilfe bittet, ein Arzt ist, wird er dann zu entscheiden wissen.

Ich arbeite mich seit Jahren (ganz ohne „ärztliche Zustimmung“) in Richtung natürliches Gehen und Laufen im Selbstversuch mit Hilfe der Feldenkrais-Methode,  Ideokinese, dem Wissen um die ideale Anatomie und Physiologie des Menschen und im Austausch mit anderen Menschen und Kollegen.

 Rezension: Die „nötige Zustimmung des Arztes“  ist mir in vielen Artikeln in Lauf-, Triathlon- und anderen Zeitschriften schon öfter aufgefallen. Vermutlich hat der, der die Zustimmung des Arztes immer erst einholt, die Verantwortung und Kompetenz für sich selbst schon abgegeben. Das hat Vorteile, wie Nachteile…

Ich kann mutig die Selbstwahrnehmung und die sich daraus ergebenden  Wege in Selbstverantwortung empfehlen. Eventuell in Begleitung von erfahrenen Menschen, was Ärzte nicht grundsätzlich ausschließt. 

Zehenschuhe oder Barfußschuhe oder was? Im Interview geht es vor allem um Zehenschuhe, als Barfußschuhe. So sei hinzugefügt:  Es gibt Modelle der Kategorie Zehenschuhe, die schon weit weg von barfuß sind. Z.B. durch einschneiden der hochgezogenen Vibramsohle in die Achillessehne. Meine Erfahrung ist, nicht jeder hat die entsprechend geformten Füße, einschließlich Zehen, für diese Schuhe. Es gibt ein, für meinen Geschmack noch begrenztes,  Angebot an Schuhen mit dünnen (1,5 – 4 mm) in alle Richtungen flexible Sohlen ohne Zehentrennung – auch sogenannte Barfuß- oder Minimalschuhe.

Hightech-Schuhe – eine Behinderung? Herr Reer antwortet im Interview auch, dass Hightech-Schuhe (mit dicker Sohle und weiteren Hilfsmitteln für zivilisierte Füße)die ganze Arbeit der Füße abnehmen.  Ich würde sagen, die natürliche Arbeit der Fußmuskulatur wird behindert.

Aus physiologischer, biomechanischer Sicht sind gedämpfte Schuhsohlen eine Behinderung der Erdung des gesamten Skeletts, d.h. das Skelett muss bei jedem Schritt zu lange suchen, bis es seine Masse im Schwerkraftfeld an die Erde präzise abgeben kann, um sich erneut zum vorwärts kommen kraftvoll davon ab zudrücken. Das Laufen in gedämpften Schuhen ist ein wenig wie Laufen auf einer Weichbodenmatte und hat … Auswirkungen auf das ganze Muskel-Skelett-System. Wie auch das Gehen und Laufen auf Minimalsohlen.

Und er schreibt, dass für Leute mit Fuß- und Rückenproblemen diese Schuhe mit Dämpfung gegebenenfalls sinnvoll sind. Ich hätte dazu gern die Ergänzung: sinnvoll als bewusst gewählte Übergangslösung auf einem Weg oder für Menschen sinnvoll, die diese Schuhe für sich aus irgendeinem Grund für sinnvoll halten oder für Menschen, die diesen Bereich ihres Lebens belassen wollen.

Laufstil: Während der Arbeit als Feldenkrais-Coach und im Alltag beobachte ich, dass nicht jeder auf Minimalsohlen seinen Laufstil automatisch verändert, wie  Herr Reer meint.

Durch die Wahrnehmung der eigenen, oft unbewussten Bewegungsmuster über den Körpersinn der Tiefensensibilität würden Sie den eigenen Laufstil erkennen und ihn mit der Zeit verändern. Die Laufstilanalyse im Schuhladen oder beim Sportmediziner kann das, meiner Erfahrung nach, nicht ersetzen, nur komplettieren. Diese Analysen sind vorwiegend Analysen aus der Außensicht. Und die ist meist nur eine Momentaufnahme. Die Innensicht über die tiefensensible Wahrnehmung hätten Sie immer dabei, bei jedem Gang in der Wohnung und vor die Tür, jedem Waldlauf. Somit können Sie sich in einen Veränderungsprozess begeben, der ihnen selbst entspricht.

Die Feldenkrais-Methode mit ihrem systemischen Denkansatz hilft dabei.

Und  übrigens auch Therapeuten, Mediziner, Sportwissenschaftler müssten den Körpersinn der Tiefensensibilität kennen, haben aber kaum differenzierte Wahrnehmungserfahrungen damit.

Das ist eine ungenutzte Ressource.Ich bin dabei dieses Potential in Bewegung zu setzen:  Angebote

Ich bin, trotz meiner Anmerkungen, dankbar über solche Interviews und Artikel zum Thema Barfuß-, natürliches Laufen. Sie sind Beiträge eines Veränderungsprozesses.

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