Wandern von München nach Venedig in Minimalschuhen

… diesen Traum hatte ich schon vor drei Jahren. Damals konnte ich in Minimalschuhen noch nicht weit gut gehen. Außerdem: mein Sohn (damals 11 Jahre alt) erklärte seine Eltern für komplett verrückt und hatte größte Sorge, wir könnten das ernstlich wollen. In diesem Jahr schlug er die Tour selbst vor – als Sommerurlaub.
Unsere Füße und unser Muskel-Skelett-System hatten sich inzwischen an das Laufen und Gehen in Minimalschuhen gewöhnt. Doch noch in der Wohnung vor Aufnahme des Rucksachs (ca. 9 Kg) schmerzte es irgendwo zwischen Mittelfuß- und Fußwurzelknochen meines linken Fußes. Mein erster Gedanke: „Viele Monate ohne Probleme, warum das jetzt?“ Im Zug nach München schaute ich mir die Ursache näher an und erkannte, das gehört zum Veränderungsprozess meines Fußes. Ich bin 24 km vom Hauptbahnhof München zum Kloster Schäftlarn gelaufen – der menschlichen Anatomie entsprechend so ideal wie möglich. Die Schmerzen wurden geringer, abends waren sie weg. Ich ließ mich vom Wissen um die ideale Laufbewegung leiten und konnte diese auf mein eigenes Muskel-Skelett-System übertragen. So dominiert nicht der Schmerz und löst Ausweichbewegungen aus, sondern er zeigt mir an, wenn ich mich nicht ideal bewege.
Das Wissen der idealen funktionellen Anatomie mache ich auch in Feldenkrais-Kursen für die Teilnehmer erfahrbar.
Fußlahm und geschafft waren wir abends natürlich auch wie alle anderen Wanderer in ihren schweren, rundherum dicken, festen Wanderschuhen. Diese Schuhe sollen Halt geben, stabilisieren, schützen, den Untergrund greifen. Die Wanderschuhe stabilisieren auf Kosten von Beweglichkeit. Die kleinen und großen Muskeln des Fußes werden wie im Gips bewegungsarm gehalten. So dass die Gelenke zwischen den Fußknochen und die Sprunggelenke in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Die Knie und andere Gelenke müssen dann mehr und anders arbeiten.
In Minimalschuhen hatte ich guten Kontakt zur Erde, fühlte mich beweglich, nicht nur im Fuß. Ich brauchte keine Stütze um die Knöchel. Wenn das Muskel-Skelett-System wieder daran gewöhnt ist, dass auch alle 26 Knochen eines Fußes beweglich sind, dann passt sich der Fuß dem Untergrund an. So sind auch sehr unebene Schotterwege mit Minimalsohlen begehbar. Bei leichten Kletterpassagen können meine Füße sich gut festhakeln. Und wir kamen ins Gespräch mit anderen Wanderern. „Loaft´s in Hausbadschen?“ fragte ein Bayer der uns während eines Abstiegs entgegenkam und erst Leguanos an den Füßen des Einen und dann Sole Runner an mir erblickte.
P. S.: Bis Venedig kamen wir planmäßig nicht, da unser Urlaub so lang nicht war. Wir liefen bis kurz vor Innsbruck und fuhren mit dem Zug zurück. Nächstes Jahr ist die Fortsetzung geplant.

2 thoughts on “Wandern von München nach Venedig in Minimalschuhen

  1. Interressanter Bericht. Die meisten Leute, inkl. dem medizinischen Personal verstehen nicht, dass sich alles was im Körper ge- und unterstützt wird, zurück bildet. Bestes Beipiel ist ein Gipsarm. Nach drei Wochen im Gips ist der Arm dünn und unbeweglich.
    Dergleichen gilt für Wanderschuhe, die die Muskeln schwächen, weil diese Schuhe keine Bewegung nach innen und außen im unteren Sprunggelenk zulassen. Kein Wunder, dass eingefleischte Profi-Wanderer in flachen Schuhen dann gern mal umknicken,

  2. Hallihallo, Ihr Minimalsohlen-Barfußläufer! Werde mich von Euch dazu animieren lassen, in unserer Wohnung möglichst schuhlos zu „latschen“ – heißt mit Wollsocken.
    das soll dann meinen geplagten Fußsohlen gut tun und ihnen die Erinnerung zu-
    rückgeben, wie es für sie angelegt ist…..“! Rolf-Dieter

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