Barfußschuhe

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Nach 5 Jahren ist ein Update meines Artikels Laufen auf dünnen Sohlen längst überfällig. Am Ende dieses Artikels finden Sie eine Menge Links zu Barfußschuhen.

Das Wort Barfußschuh ist ein Oxymoron (Plural Oxymora; aus oxys ‚scharf(sinnig)‘ und moros ‚dumm‘), eine rhetorische Figur, bei der eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen gebildet wird. [Quelle des kursiv Geschriebenen: Wikipedia]

DENN, wenn wir Schuhe anhaben, sind wir nicht barfuß.

Warum Barfußschuhe sinnvoll sind:

  • Der Fuß hat 26 Knochen (die Hand 27), alle sind untereinander beweglich durch gelenkige Verbindungen. D.h. barfuß ist eine optimale Anpassung an den Untergrund möglich. Eine feste Sohle kann das nicht. Stellen Sie sich auf einem Baumstamm stehend vor: Der nackte Fuß passt sich der Wölbung des Stammes in allen Richtungen an, eine feste Sohle eines Wanderschuhs nicht. D.h. wir haben barfuß mehr Fläche unter unseren Füßen, um Halt auf dem Untergrund zu haben – viele Barfußschuhe machen das möglich
  • Ein Körperteil, der eine Weile z.B. im Gips (heute eher Plastik) ruhiggestellt wird, um zu heilen, wird schnell steif und verliert seine Dehn- und Kontraktionsfähigkeit. Mit unseren Füßen machen wir mit herkömmlichen steifen Sohlen und Schuh-Obermaterial  und Sprunggelenksverschnürung (um die „Knöchel“) ähnliches. Nur ist das kulturell bedingt und wird wenig hinterfragt. Deshalb verkümmern in „zivilisierten Gebieten“ die Fußmuskeln, Faszien u.a. Gewebe im Fuß schon oft im Kleinkindalter und damit ist es normal und fällt uns nicht auf. Weil diesbezüglich normal ist, was die meisten Menschen machen, heißt das nicht, dass es ideal ist. Und deshalb ist eine Umstellung auf Barfußschuhe auch individuell in der Zeit, die das dauert. Die kleinen Muskeln im Fuß und die großen im Unterschenkel müssen sich an diese Arbeit erst wieder gewöhnen.
  • Die Beweglichkeit und Stabilität um die Sprunggelenke (zwischen Fuß- und Unterschenkelknochen) wird durch das Zusammenspiel der Muskeln des Fußes, des Unterschenkels und der übrigen Skelettmuskeln bis zum Kopf hoch beeinflusst. Durch Schuhe, insbesondere Knöchelschuhe eher behindernd (Außnahmen gibt es immer) – viele Barfußschuhe lassen den Fußmuskeln ihre natürliche Beweglichkeit.
  • Um die Sprunggelenke herum haben wir eine körpereigene Schnürung aus Bändern, Faszien, Sehnen-führenden Hüllen, quasi den körpereigene Knöchelschuh unter der Haut, der mit vielen Rezeptoren bestückt, unserem Gehirn meldet, wie die einzelnen Muskeln gespannt werden sollen, so dass die Knochen sich gut auf dem Untergrund ablegen und der Unterschenkel darüber, so dass wir nicht umfallen oder Umknicken. Nur ist diese Fähigkeit durch Schuhe oft verkümmert oder gar nicht perfekt ausgebildet. Viele Barfußschuhe lassen uns die nötige Beweglichkeit zwischen aufrechter Haltung und Erdung am Boden. Z.B. würde ein Wanderer der auf einen Stein tritt, im Barfußschuh weniger umknicken, als ein Wanderer mit steifer Sohle. Denn ersterer spürt den Stein eher und hat mehr Beweglichkeit die Unebenheit auszugleichen und findet so schneller zu seiner Stabilität in der aufrechten Haltung zurück.
  • Wussten Sie, dass die Fußsohle eine Schicht Baufett hat? Eine körpereigene Polsterung zwischen der Haut und den Knochen, Faszien, Muskeln. Deshalb reichen dünne Schuhsohlen der Barfußschuhe.
  • Die Art des Ganges wäre die nächste Möglichkeit der Abfederung zum Boden hin und ins Skelett hinauf. Darauf kommt man mit Barfußschuhen eher als mit dicken Sohlen. Der positive Nebeneffekt: Es fördert die gesamte Beweglichkeit des Muskel-Skelett-Systems. Da das Gehen und Laufen gewohnheitsmäßige Muster sind, ändern diese sich nicht sofort mit dem Schuhwechsel. Oftmals macht es Sinn die Bewegungsmuster mit Hilfe Anderer Menschen zu hinterfragen und zu ändern, z.B. in einem Feldenkrais-Kurs oder Laufseminar.

Im Netz gibt es dazu auch viel zu sehen und zu lesen. Hier zum Beispiel ei Artikel, der das Thema Barfußlaufen sehr gut umfasst und trotzdem nicht zu lang ist: https://www.primal-state.de/barfuss-laufen/

Viele, nicht alle, Barfußschuhe ermöglichen, die oben beschriebene Flexibilität. Alle haben Vor- und Nachteile. Die Schuhe unterscheiden sich alle in der Breite, Zehen- und Spannhöhe usw. D.h. Erfahrung sammeln, ausprobieren ist nötig, da auch jeder individuelle Füße hat.

Im Winter frieren Füße trotz dünnerer Sohle nicht so schnell in Bewegung, da die Blutgefäße zwischen beweglichen Fußknochen, Muskeln, Faszien u.a. Teilen in den Füßen für mehr Durchblutung sorgen können.

Meine große Kritik im Bereich der Kinderschuhe: Wenn das gleiche Sohlenmaterial für Kindergrößen, wie für große Füße genutzt wird, sind die Kindersohlen steifer.  Je kürzer die Sohle, umso steifer. Und schon ist die Bewegungsfreiheit der Knochen in diesen Schuhen für die kleinen Füße weg.

Und hier die Schuhmarken, die Barfußschuhe herstellen oder im Sortiment haben:

Da ich oft von Leipziger befragt werde:

Barfußschuhe aus Leipzig und Umgebung: ZAQQ und Senmotic.

Läden in Leipzig*: 

  • Karl-Liebknechtstr. 8:  Vivobarefoot
  • Sanitätshaus Haas, Neumarkt 9, Städtisches Kaufhaus (Innenhof):  FiveFingers
  • Nikolaistr. 16  Leguano *In anderen Städten sind hie und da Läden weiterer Marken.

Per Online Bestellung gibt es noch viel mehr Auswahl. Die Liste ist nicht vollständig:

sole runner

Merell – hier aus dem Shop von Voycontigo. Es gibt sie auch in anderen Shops.

Wildlinge

The Drifter Leather

Und es entstehen immer wieder neue:

Muki shoes

Händler von Barfußschuhen:

https://www.barfusslaufen.com/

https://voycontigo.de

bergzeit.de

Wie schon geschrieben, die Auswahl ist nicht vollständig. Ich wünsche schöne Abenteuer im propriozeptiven Ausprobieren.