Ohne Wurzeln keine Flügel*

…beim Laufen neulich kam mir dieser Satz  in meinen Gedankenfluss. Nachdem ich mich monatelang mit der Erdung meines Skeletts beschäftigte und lernte beim Laufen, meine Schultern herunter zulassen, d.h. nicht unnötig hochzuziehen.

Was heißt Erdung des Skeletts:

Ich gebe jeden meiner Knochen, der idealen Anatomie und der aktuellen Bewegung entsprechend, an die Erde oder stellvertretend an den darunterliegenden Knochen ab. Da wir der Schwerkraft ausgesetzt sind macht das Sinn und hört sich auch ganz selbstverständlich an.

Aber  die wenigsten von uns zivilisierten Menschen wissen, dass sie das meist nicht vollkommen tun, da sie sich kinästhetisch nur mangelhaft wahrnehmen. Durch unbewusst und gewohnheitsmäßig verspannte Muskeln, sind die Knochen oft nicht optimal in Haltung und Bewegung zueinander in Beziehung. Auch Sport hilft nicht effektiv diese unbewussten Verspannungen zu ändern. Wir trainieren in diesen unbewussten Mustern. Nicht immer, aber oft geschieht dann „mehr des Selben“ (siehe Paul Watzlawick) Der Schlüssel zur Veränderung ist die kinästhetische Wahrnehmung dessen, was wir gewohnheitsmäßig mit unseren Knochen tun. Und mit dieser Wahrnehmung und den Erkenntnissen daraus, können wir uns verändern.

Wenn die Stabilität der Knochen aufeinander in der Schwerkraft genutzt wird, ist die Energie der Muskeln freier für die Bewegung und weniger für das Halten in der Schwerkraft vergeudet. Und wenn ich besser geerdet bin, also in der Schwerkraft optimaler mit allen Knochen koordiniert bin, kann ich mich auch optimaler von der Erde wieder abdrücken um Auftrieb oder/und Vortrieb zu bekommen. Die Bewegung wird ökonomischer, ich empfinde sie als leichter, als wären mir Flügel gewachsen.

muskulärer Spannungsbogen im eigenen Körper:

Wenn die Muskeln gut koordiniert die Knochen bewegen, gibt es verschiedene Spannungsbögen von den Zehen bis zum Kopf, den Fingern, alternierend  zwischen links und rechts, vorn und hinten, oben und unten, diagonal, die sich ebenso alternierend entspannen und damit Vortrieb und geringfügig Auftrieb produzieren. Permanent gleichzeitiges an- und entspannen. Die Spannung bedingt die Entspannung und die Entspannung bedingt die Spannung.

Das entspricht dem Gefühl des Fliegens. Damit ich wieder hochgehen kann, muss ich landen,  mich erden – ohne wurzeln keine Flügel eben.

Unsere körperlichen Wurzeln können wir jederzeit wieder neu finden oder uns auf den Weg machen, das zu lernen, z.B. mit der Feldenkrais-Methode. Und hier treffen sich für mich die Feldenkrais-Methode und die Systemische Beratung und Aufstellung. Manchmal ist das Eine mit dem Anderen nicht zu trennen: die körperlichen und sozialen Prozesse laufen in ein und demselben Menschen ab. Bertold Ulsamer hat in seinem Buch eher die sozialen Wurzeln beschrieben.

*Zitatquelle:Ohne Wurzeln keine Flügel, Bertod Ulsamer

Johann Wolfgang von Goethe:Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel. ;

Gedicht von Heinz Kahlau:     

 Meine Hoffnung

In deinem Alter, mein Kind,
hat jeder Mensch noch Gründe,
anzunehmen,
er könnte
fliegen wie laufen
lernen.

Ich werde mich hüten,
dich aufzuklären.

Vielleicht
bin doch ich es,
der sich irrt.

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